Prerow Strand

Der Strandkorbvermieter in Prerow | wenn Schadenfreude den Tag versüßt

Er ist Strandkorbvermieter. Am Aufgang 29. Eigentlich schon immer gewesen. Es ist eine anstrengende Arbeit, die zu nachtschlafener Zeit beginnt. Bevor die Möwen aufwachen und die Touristen einfallen.  

Alle Strandkörbe einheitlich zur Sonne ausrichten, also da, wo sie in ein paar Stunden erwartet wird. Vermutlich nach Osten. Auch dann, wenn an dem Tag keine Sonne vorhergesagt wird. Jeden Tag während der Saison.
Obwohl dieses initiale morgendliche Hin- und Herschieben der Strandkörbe eigentlich überflüssig ist. Mehr der Optik dient. Niemand, der sich einen Strandkorb mietet, benutzt ihn so, wie er ihn vorfindet. Entweder wird die Korböffnung mehr zur Sonne, von der Sonne weg oder gegen den Wind oder in den Wind oder einer Kombination aus diesen Einflussfaktoren gedreht. Andere Menschen brauchen freie Sicht zum Wasser, mehr Abstand zum Nachbarn, eine völlig gerade Standfläche, was auch immer.
In Ungnade fiel ich vermutlich schon, als ich ihn vor neun Uhr morgens nach dem Bewegen von mehreren hundert Strandkörben angesprochen hatte. Ihn bei seiner Zeitungslektüre störte. Ihn fragte, ob er wohl einen Strandkorb für uns hätte.
Auf seine Frage, wo der denn stehen sollte, reagierte ich mit einer Gegenfrage - wo er uns denn einen anbieten könne. Sagen Sie doch einfach, wohin sie wollen, grummelte er mit einem Blick, der mir Respekt einflößte. Letzte Reihe vor der Düne, nordsüdöstlich, achte Reihe in Richtung Strandaufgang, Strandkorb Nummer 457 bis 477. Meine nicht ganz ernst gemeinte Antwort schien ihn zufrieden zu stellen. Ab morgen bitte, schob ich hinterher.  Er vertiefte sich in zwei Schnellheftern mit handgezeichneten Tabellen voller Striche und Zahlen. Ich hatte ab morgen gesagt und war ganz irritiert, dass er schon seinen Quittungsblock hervorkramte, nur das morgige Datum und eine Miete von lediglich 12€ für einen Tag notierte. Also von morgen bis Samstag einschließlich, konkretisierte ich vorsichtig. Ein eiskalter Blick traf mich und als ich darauf hinwies, dass ich eingangs ab morgen gesagt hätte, war seine Antwort, dass er damit nicht wüsste, wie viele Tage wir mieten wollten. Er kreuzte in seinen Listen rum, korrigierte die zu zahlende Summe auf der Quittung und fragte nach meinem Namen. Ich vermutete Nachname. Da mein Nachname sowieso fast immer falsch verstanden oder geschrieben wird, fing ich an, ihn zu buchstabieren. Ich kam gerade bis zum zweiten Buchstaben. Sagen Sie mir einfach ihren Namen, brüllte er über den Strand. Ein paar Möwen flogen erschrocken auf, landeten aber nach ein paar Metern wieder in der Nähe des Wassersaumes. Sie kannten das wahrscheinlich schon. Jaffke sagte ich mit einigermaßen fester Stimme. Wie erwartet fehlte ein f von Jaffke, als er den Namen auf die Quittung schrieb. Als ich ihn darauf ansprach, grummelte er, das seien zwei f für ihn. Egal.
Auf dem klapprigen Tischchen vor ihm liegt eine prall gefüllte Geldbörse, die Verschlusslasche steht so unter Spannung, dass mir eine Idee kommt. Ich muss noch 96€ Miete zahlen und überreiche dem Strandkorbvermieter zehn Scheine a 10€. Wenn ich Geldscheine in meinem Portemonnaie habe, sind es immer nur diese kleinen Nennwerte. Gefühlt hat man mehr Geld in der Hand. Dieser Stapel Scheine, die ich ihm gebe, ist nur wenige Millimeter hoch. Ich hoffe auf einen Effekt. Der Strandkorbvermieter gibt mir 4 Euro Wechselgeld aus einer Geldkassette zurück und wirft mir die Quittung hin.
Eigentlich könnte ich jetzt gehen, wusele aber noch ein wenig in meinem Portemonnaie rum, um zu sehen, ob der Effekt eintritt. Er quetscht zehn weitere Geldscheine in die vorher schon übervolle Geldbörse, kann den Verschluss nur mühsam zudrücken. Ein wenig genervt schmeißt er die schwarze Geldbörse aber zu heftig auf das wackelige Tischchen vor sich hin.  Prall gefüllt kugelt sich die rundliche Geldbörse daraufhin in den weißen Ostseesand. Der überspannte Verschluss springt auf und der böige Ostseewind, vermutlich aus Nordsüdost , greift einmal hinein. Leistet gute Arbeit, wirbelt nicht nur meine vielen 10€-Scheine durch den weißen Sand.
Ich wünsche weiterhin einen schönen Tag und merke, dass das Wörtchen „weiterhin“ nicht nett war, kaum dass ich es ausgesprochen hatte.
Wir gehen zügig zu unserem Strandkorb. Er hat die Nummer 477.

Lecker kuchen (mit Sanddorn)

prerowkuchen

abendstimmung

prerowabendsonne